Risiko+%2D+ein+Wort+aus+dem+alten+Griechenland

Andauernd werden Risiken analysiert und debattiert. Doch haben Sie sich jemals gefragt, woher das Wort ‚Risiko’ eigentlich kommt?

Heutzutage benutzen wir das Wort „Risiko“ in unserer Alltagssprache, um die Möglichkeit von Verlust, ob nun in wirtschaftlicher oder anderer Hinsicht, und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen auszudrücken. Es ist zu einem weit verbreiteten Begriff geworden, und man benutzt es ungeachtet dessen, ob das fragliche Risiko messbar oder nicht messbar ist. Aber wo liegt der Ursprung dieses Begriffs?

Als DNV 1997 den Slogan ‘Managing Risk’ als Oberbegriff für all ihre Aktivitäten einführte, bot sich eine Suche nach den Ursprüngen dieses Wortes an. In einer internationalen Debatte über Risiko-Terminologien erläuterte ein Professor der Linguistik einige Zusammenhänge und wies darauf hin, dass der Ursprung des Begriffs bis in Homers Werke zurückverfolgt werden könnte. Mit Hilfe eines Professors und einiger Studenten in Athen wurde eine genaue Quellenangabe erarbeitet. Aus den zahlreichen genannten Quellen konnte man schließlich die Entwicklung des Wortes von Homer bis in unsere Zeit aufzeigen.

Die zahlreichen Formen der systematischen Verwendung von Risikoanalyse und Risikomanagement-Strategien lassen sich in die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre zurückverfolgen. Ihr Einsatz verbreitete sich größtenteils aufgrund gesetzlicher Regelungen zu Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltrisiken. Methoden zur Risikoaggregation wurden stetig verbessert und weiterentwickelt. Heutzutage sind verschiedenste Formen von Risikoaggregation zu entscheidenden Faktoren für die Entscheidungsfindung in gesellschaftlichem und gewerblichem Rahmen geworden.

Der Zwölfte Gesang von Homers Odyssee

Die Etymologie des Begriffs ‚Risiko’ ist interessant und zugleich antike Geschichte. Er kann bis zum altgriechischen Rhiza zurückverfolgt werden, was ‚Wurzel, Stein, aus festem Land gehauen' bedeutet, und wurde später im Lateinischen als Wort für ‚Klippe’ verwendet: das lateinische und vulgärlateinische resicum, risicum, riscus.
Klippe, cliff, récif sind die Wortursprünge des spanischen riesgo, des französischen risque und des italienischen risico, risco, rischio. Das deutsche ‚Risiko' ist aus eben diesen italienischen Worten entlehnt.

Der ursprüngliche Begriff wird im Zwölften Gesang von Homers Odyssee verwendet, der von den Sirenen, Skylla, Charybdis und den Rindern des Helios handelt. Odysseus versuchte, sich bei den Klippen von Skylla vor Charybdis zu retten; dort wurde sein Schiff in einem von Zeus beschworenen Sturm vernichtet.

Das Englische lieh den Begriff aus der spanischen Sprache, das Deutsche bediente sich beim Italienischen, und beides wurde von dem im 18. Jahrhundert entstandenen „risque“ aus Frankreich unterstützt. Lexika stimmen darin überein, dass es sich dabei um eine Metapher für ein „zu vermeidendes Problem auf See“ handelt. Diese lexikalischen Anleihen wurden gegen Ende des Mittelalters getätigt, als die Renaissance vor der Tür stand und die Menschen es endlich wagten, die Welt zu entdecken.

Die Idee vom Risiko scheint im 16. und 17. Jahrhundert Fuß gefasst zu haben und wurde von westlichen Entdeckern geprägt, die sich auf Reisen um die ganze Welt begaben. In die englische Sprache gelangte der Begriff „risk“ höchstwahrscheinlich über das Spanische und das Portugiesische, wo man es verwendete, um das Segeln in bisher unbekannte Gewässer zu umschreiben. Ab dem 16. Jahrhundert kam dem Begriff schließlich eine positive Nebenbedeutung zu. So war ,Rysigo’ im Mittelhochdeutschen ein Fachbegriff aus der Handelssprache, der „ein Wagnis eingehen, ein Unternehmen gründen und auf wirtschaftlichen Erfolg aus sein“ bedeutete.

Abstrahierung
Klar ist also, dass sich der Begriff ursprünglich auf Räumliches bezog – auf Klippen, Steine oder auf Land. Später entfernte sich das Wort davon und näherte sich einem zeitlichen Bedeutungsrahmen an – „wagen", „unternehmen", was auch in finanziellem und versicherungstechnischem Rahmen gebraucht wurde und sich auf die Einschätzung von möglichen Konsequenzen für Investmententscheidungen bezog. Danach bezog es sich schließlich auf ein noch breiteres Feld, nämlich auf alle Situationen, in denen Ungewissheit eine Rolle spielte.

Wenn wir heute über die ‚New Risk Reality’ sprechen, in der jede Abweichung von der optimalen Lösung oder dem optimalen Betriebsweg als ein Risiko oder erwartungsgemäßer Verlust gewertet wird, gebrauchen wir ein uraltes Wort, das sich an die komplexen Problemfelder der Moderne angepasst hat.

Die Kernkompetenz der DNV ist die Identifizierung, Beurteilung und Beratung im Bereich Risikomanagement.

>>