Vor zwei Jahren ereignete sich der seit zwanzig Jahren schlimmste Unfall der US-amerikanischen Raffineriebranche: In Texas City starben 15 Menschen; 170 wurden verletzt. Vor kurzem förderten zwei groß angelegte Untersuchungen dieses Unfalls viele wertvolle Empfehlungen für die gesamte Raffineriebranche zutage. DNV ist von diesen Erkenntnissen jedoch noch nicht überzeugt. Wir raten allen Akteuren in der Öl- und Gasbranche, noch mehr zu tun, als in diesen Berichten verlangt wird. Nur so wird sich eine große Verbesserung der Geschäfts- und Sicherheitsleistung erzielen lassen.
Der Bericht der Baker-Kommission nahm im Januar 2007 die Sicherheitsmanagementsysteme in den US-Raffinerien des BP-Konzerns unter die Lupe; im März meldete sich das US Chemical Safety Board zu Wort. Beide Untersuchungen förderten viele wertvolle Empfehlungen zutage.
Der Unfall in Texas City sollte die Raffineriebranche wachrütteln, denn er hat deutlich gezeigt, dass große Vermögensanlagen durch heutige Sicherheitsvorkehrungen und Investitionsstrategien nur unzureichend geschützt sind. Die gute Nachricht ist, dass der Trend bei Personenschäden in der Raffineriebranche sehr gut aussieht – seit den frühen 90er Jahren sind erhebliche Verbesserungen eingetreten. Was Schäden in großen Raffinerieunfällen angeht, ist der Trend jedoch leider schlecht bis mittelmäßig. In den letzten fünf Jahren waren viele ernsthafte Unfälle und erhöhte Verluste zu verzeichnen.
Sehr wenige Ursachen für das Unglück in Texas City waren Ausnahmen; viele der dort vorhandenen Mängel waren bereits Grund für frühere Unfälle gewesen. Außerdem hätten mehrere andere Vorfälle mit geringeren Schadenszahlen an anderen Orten unter ähnlichen Umständen ebenso schlimm ausfallen können.
Folglich kann nicht nur die Raffineriebranche aus diesem Vorfall lernen; andere Industriezweige sollten die in den Untersuchungen erkannten Verbesserungsmöglichkeiten ebenfalls in Betracht ziehen, um ihre Leistungsfähigkeit und ihre Sicherheit zu verbessern. So könnte man etwa in der Exploration und Produktion Vieles aus einer sorgfältigen Begutachtung dieser beiden Berichte lernen; dasselbe gilt für eine generellere Beschäftigung mit der Frage, ob Personal und Vermögensanlagen wirklich ausreichend vor großen Betriebsunfällen geschützt sind.
Machen Sie den nächsten Schritt
Trotz dieser beiden Untersuchungen glauben wir bei DNV, dass die teuer erkauften Lektionen aus anderen Unfällen nicht angemessen berücksichtigt wurden und daher (zumindest für sich allein genommen) nicht die ganzheitliche Herangehensweise beschreiben, die notwendig ist, um den nächsten großen Schritt zur Verbesserung der Betriebssicherheit zu tun.
Zusätzlich zur Implementierung eines breit gefächerten, auf Risikoeindämmung abzielenden Programms schlägt DNV allen Unternehmen vor, sich auf folgende Punkte zu konzentrieren:
- Mitarbeiterführung: Das obere Management muss ein größeres Bewusstsein für die Betriebssicherheit entwickeln und sich verpflichtet fühlen, diese mit ihren Entscheidungen auf ein Maß zu bringen, das den heutigen Errungenschaften für die Arbeitssicherheit entspricht.
- Risikomanagement: Hier sollte Betriebssicherheitsproblemen größere Aufmerksamkeit zukommen, etwa durch den Einsatz von Risikoidentifizierung und -bewertung.
- Sicherheitsschranken und Kontrollen: Die systematische Identifizierung von entscheidenden Sicherheitsschranken und -kontrollen, sowohl bei der Hardware als auch im Verwaltungssystem. Außerdem muss die Verantwortung für Kontrollen unmissverständlich zugeteilt werden.
- Prozesse: Hier sollte ein Evergreen-Management-System etabliert sein, um sowohl Material als auch Betriebsvorgänge zu kontrollieren.
- Frühindikatoren: Es sollten geeignete und leicht verständliche Prozesssicherheitskriterien (Frühindikatoren) vorhanden sein, die regelmäßig vom Management geprüft werden, um eine bessere Überwachung und Bewertung von Risikofaktoren zu gewährleisten.
- Effektivitätsprüfung: Tiefgreifende Untersuchungen von Unfällen sollten dazu genutzt werden, die Effektivität von bestehenden Kontrollmechanismen zu verifizieren.
- Projektabschluss: Abgesicherte Handlungspriorisierung sowie Systeme für Solid Action Prioritisation, Follow-Up und Close-Out Tracking-Systeme.
Mit der Implementierung dieser Punkte sollte eine 2- bis 3-fache Steigerung der Betriebssicherheit erreichbar sein; die genannten Maßnahmen sind somit sehr kosteneffektiv. Mit der Erhöhung von Verlässlichkeit und Betriebszeit können Aktivposten außerdem gesteigerte Geschäftsleistung erbringen.
Glücklicherweise entsteht das Bedürfnis nach derartigen Verbesserungen jetzt, denn derzeit stehen der Industrie wegen des hohen Ölpreises genügend Ressourcen zur Verfügung, um ihre Aktivposten zusätzlich abzusichern und Investitionen für die Zukunft zu tätigen.
Die Lektionen, die es zu lernen gilt, sind klar. Für die Industrie gibt es keinen Grund mehr, noch länger mit entsprechenden Taten zu zögern.
