Risikomanagement+%2D+Ja+oder+Nein%3F

Risikomanagement – das sind alle jene Prozesse und Strukturen, die auf die Realisierung von Möglichkeiten abzielen und zugleich alle widrigen Effekte unter Kontrolle halten. Eine Erklärung für das erhöhte Interesse an Risikomanagementsystemen ist die Möglichkeit, neue Denkweisen und Werkzeuge gegen die sogenannte „New Risk Reality“ einzusetzen. Wir glauben, dass Risikomanagement ein integraler Bestandteil guter Geschäftspraxis sein sollte, und zwar auf strategischer und betriebswirtschaftlicher Ebene.

Die zentrale Funktion von Risikomanagement besteht darin, die Unwägbarkeiten der Zukunft zu analysieren, damit Sie in der Gegenwart bestmögliche Entscheidungen fällen können. Alle Risikomanagementsysteme und alle Entscheidungsprozesse konzentrieren sich auf diesen übergeordneten Zweck. Besseres Risikomanagement bedeutet bessere Entscheidungen, weniger Überraschungen, gesteigerte Geschäftsleistung und Effektivität sowie bessere Beziehungen zu Stakeholdern.

Die „New Risk Reality"
Ist die Welt zu einem gefährlicheren Ort geworden? Viele würden diese Frage bejahen und auf den Klimawandel, den Terrorismus, auf Pandemien und eine schier endlose Liste anderer Bedrohungen hinweisen. Wir in der Unternehmerbranche müssen nur an Arthur Andersen denken, jene „Top“-Prüfungsgesellschaft, die binnen weniger Monate wieder von der Bildfläche verschwand, und an Innovationen wie den iPod, Napster und Google, die ganze Branchen neu erschaffen oder neu definieren. Risiken gehen in zunehmendem Maße nicht mehr von der Natur, sondern von neuen Technologien und menschlichem Handeln aus.

Andererseits ist das Leben zweifelsohne weniger risikoreich geworden, und zwar für viele Menschen in zahlreichen Ländern. Im vergangenen Jahrhundert ist die Lebenserwartung um zwei Drittel gestiegen, wir haben Heilmittel für die meisten Krankheiten, Arbeits- und Umweltbedingungen sind sicherer geworden, und wir können uns viel besser gegen die finanziellen Konsequenzen eingegangener Risiken absichern.

Ob gefährlicher oder nicht: Die Beschaffenheit von Risiken hat sich grundlegend verändert. DNV hat den Begriff der „New Risk Reality“ geprägt. Damit wollen wir ausdrücken, dass:

  • Heutige Unternehmen in einem zunehmend internationalen, komplexen und fordernden Risikoumfeld arbeiten
    Die Gesellschaft allmählich eine „Nulltoleranz“ für Fehler aufbaut. Öffentliche Auflagen werden strenger, und Forderungen nach höherer Transparenz und gesteigerter Nachhaltigkeit nehmen zu.
    Neue Technologien bieten Vorteile – und bergen neue Risikofaktoren.

Fortschritte im Risikomanagement
In den vergangenen Jahrzehnten wurden im Bereich Risikomanagement bedeutende Fortschritte erzielt.

Wichtige Fortschritte im Finanz- und Wirtschaftsmarkt sind Portfolio-Auswahl und -Optimierung (Markowitz), neue Modelle zur Bewertung von Finanzoptionen (Black & Scholes), die später auf reale Optionen ausgeweitet wurden, und das Konzept „Wert im Risiko“ (Value-at-Risk). All dies sind quantitative Techniken zur Einsicht und Analyse von Risiken. Außerdem haben sich etliche neue Märkte für die Risikoübertragung geöffnet.

Ein Großteil dieser Konzepte wäre ohne die höhere Rechnerleistung unmöglich anzuwenden, die uns heutzutage zur Verfügung steht, insbesondere im Hinblick auf die Kapazitäten, die für Simulationen, gigantische Datenmengen und Zeitreihenanalysen nötig sind.

Ein dritter Bereich, in dem wir bessere Erkenntnisse für das Risikomanagement gewonnen haben, ist „der Verstand des Entscheidungsträgers“. Sobald die Entscheidungsbildung in Unternehmen als neues wissenschaftliches Konzept erkannt wurde, begann die Suche nach der optimalen Entscheidung. Doch die war schwer zu finden, und schließlich wurde Herbert Simons „beschränkte Rationalität“ zum dominanten Paradigma – d.h. das Fällen von „ausreichenden“ Entscheidungen innerhalb der Grenzen von Zeit, Komplexität und der begrenzten Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns. Später demonstrierten Kahneman und Tversky, dass der im Bereich der Ökonomie angenommene rationale Entscheidungsprozess nicht dem entspricht, wie Menschen in Situationen der Unsicherheit tatsächlich Entscheidungen fällen. Die Neue Erwartungstheorie („Prospect Theory“) hat Faktoren identifiziert, die uns dazu bringen können, selbst dann im Widerspruch zu unseren ökonomischen Interessen zu handeln, wenn wir es eigentlich besser wissen.

Bessere Entscheidungen, bessere Ergebnisse?
Gutes Risikomanagement trägt zu besseren Entscheidungen bei, doch dies führt nicht immer zu besseren Ergebnissen.

Der Begriff „Risikomanagement“ erweckt den Eindruck, es wäre mit ausreichend häufigen und guten Analysen möglich, ein komplettes Bild von der Zukunft zu erhalten. Dies ist falsch und irreführend. Denken Sie nur an die vielen Versuche, den Ölpreis, Immobilienpreise oder Preisschwankungen vorherzusagen – oder den Gewinner der Fußballweltmeisterschaft. Auch Risikomanagement hat Grenzen. Aus diesem Grund muss auch die Fähigkeit zur raschen Reaktion auf wirtschaftliche Unwägbarkeiten entwickelt werden.

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