In den vergangenen Jahrzehnten wurden im Bereich Risikomanagement bedeutende Fortschritte erzielt.
Wichtige Fortschritte im Finanz- und Wirtschaftsmarkt sind Portfolio-Auswahl und -Optimierung (Markowitz), neue Modelle zur Bewertung von Finanzoptionen (Black & Scholes), die später auf reale Optionen ausgeweitet wurden, und das Konzept „Wert im Risiko“ (Value-at-Risk). All dies sind quantitative Techniken zur Einsicht und Analyse von Risiken. Außerdem haben sich etliche neue Märkte für die Risikoübertragung geöffnet.
Ein Großteil dieser Konzepte wäre ohne die höhere Rechnerleistung unmöglich anzuwenden, die uns heutzutage zur Verfügung steht, insbesondere im Hinblick auf die Kapazitäten, die für Simulationen, gigantische Datenmengen und Zeitreihenanalysen nötig sind.
Ein dritter Bereich, in dem wir bessere Erkenntnisse für das Risikomanagement gewonnen haben, ist „der Verstand des Entscheidungsträgers“. Sobald die Entscheidungsbildung in Unternehmen als neues wissenschaftliches Konzept erkannt wurde, begann die Suche nach der optimalen Entscheidung. Doch die war schwer zu finden, und schließlich wurde Herbert Simons „beschränkte Rationalität“ zum dominanten Paradigma – d.h. das Fällen von „ausreichenden“ Entscheidungen innerhalb der Grenzen von Zeit, Komplexität und der begrenzten Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns. Später demonstrierten Kahneman und Tversky, dass der im Bereich der Ökonomie angenommene rationale Entscheidungsprozess nicht dem entspricht, wie Menschen in Situationen der Unsicherheit tatsächlich Entscheidungen fällen. Die Neue Erwartungstheorie („Prospect Theory“) hat Faktoren identifiziert, die uns dazu bringen können, selbst dann im Widerspruch zu unseren ökonomischen Interessen zu handeln, wenn wir es eigentlich besser wissen.
