Neues+Vertrauen+in+die+Tiefk%C3%BChlkost

Der japanische Tiefkühlkosthersteller Katokichi hat auf die Lebensmittelskandale reagiert, die Japan in letzter Zeit erschüttert haben. Im Unternehmen wird alles getan, um das Sicherheitsmanagement zu verbessern und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Seite drucken Als PDF speichern

Eine Serie mysteriöser Vergiftungen sorgte vor gut 18 Monaten in Japan für Aufregung. Fast 1.000 Japaner erkrankten nach dem Genuss von Teigtaschen, die mit Pestiziden verunreinigt waren. Die Teigtaschen waren von einer chinesischen Firma hergestellt und von der japanischen JT Foods nach Japan eingeführt worden. Der Lebensmittelhersteller gehört zu Japan Tobacco, dem weltweit drittgrößten Hersteller von Tabakwaren. Dem Konzern angeschlossen ist auch eines der größten japanischen Unternehmen für tiefgefrorene Lebensmittel, Katokichi Co. Insgesamt musste die Firma 18 Produkte des chinesischen Produzenten zurückrufen. Nur wenige Monate später führte ein neuer Skandal um verdorbenen Reis in Japan dazu, dass die gesamte Lebensmittelbranche bei den Kunden verstärkt unter Beobachtung stand. Das Vertrauen der Kunden sank rapide. „Für das Unternehmen Katokichi führte das zu Umsatzeinbußen in Höhe von 85 Prozent“, erklärte Kazuo Kobayashi, Executive Vice President der Katokichi Co. Ltd.

Zwischen Kosten und Qualität
Die Skandale zeigten, wie groß die Herausforderung ist, angemessen mit den Risiken der Lebensmittelherstellung umzugehen. Katokichi reagierte, indem die Qualität in jedem Teil der Lieferkette stärker unter die Lupe genommen wurde. Keine leichte Aufgabe. „Risiko ist ein dehnbarer Begriff“, stellt Kazuo Kobayashi fest. Das Unternehmen müsse auf eine ausgewogene Bilanz zwischen Produktqualität und den Kosten der zur Verfügung stehenden Ausgangsprodukte achten. „Da wir nicht bereit sind, Zugeständnisse im Hinblick auf die Qualität unserer Produkte zu machen, sind die Kosten der Lebensmittel zwangsläufig gestiegen“, erklärt Kobayashi. Was die Lage nicht einfacher macht. Denn der unerbittliche Wettbewerb lässt keinen Spielraum, die Preise zu erhöhen.

Investitionen in Sicherheit
Als Reaktion auf das Dilemma hat Katokichi den Kontakt zu DNV gesucht, um seine Produktionsstätten gemäß des für das Nahrungsmittel-Sicherheitsmanagement gültigen Standards ISO 22000 bewerten und zertifizieren zu lassen. „Die Zertifizierung ist ein deutlicher Fortschritt für Katokichi. Dennoch gewannen wir den Eindruck, dass diese Maßnahme noch nicht ausreicht, und haben daher weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen“, sagt Kobayashi. So wurden bei der Qualitätskontrolle und -überwachung zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Ebenso investierte Katokichi in moderne technische Ausrüstung und teure Anlagen, um die Ausgangsprodukte der Nahrungsmittelherstellung auf Verunreinigungen zu untersuchen. Als Drittes entschloss sich das Unternehmen, einem externen Partner einen weitergehenden Einblick in den Zustand des Qualitätsmanagements zu erlauben.

Die Wahl fiel auf DNV, die immer wieder als Partner für ein Second-Party-Audit (Audit eines Lieferanten durch den Kunden) beauftragt wird. Derzeit werden etwa 50 solcher Audits von Produktionsstätten und Zulieferunternehmen in Asien und Europa durchgeführt, die auf den Qualitätsmanagementstandards von Katokichi beruhen. Bis Ende 2009 wird DNV zudem 20 eigene Produktionsstätten von Katokichi entsprechend des ISO-22000-Standards zertifizieren.

Die Trends in der Lebensmittelindustrie
Lebensmittelskandale sind nicht auf Japan beschränkt. Milchpulver, das mit der Chemikalie Melamin verseucht war, versetzte in diesem Jahr Eltern rund um den Globus in Panik. Gammeliges Fleisch gehört in Deutschland schon fast zum Alltag. Dabei ist die Lebensmittelsicherheit für die Lebensmittelhersteller entscheidend, um am Markt bestehen zu können. Einfach wird das nicht. „Die Qualitätssicherung in allen Bereichen der Lebensmittelherstellung erfordert außergewöhnlich hohe Investitionen. Kleinere Unternehmen hingegen verfügen nicht über ausreichende Ressourcen, um diesem Trend folgen zu können, und werden sich in diesem hart umkämpften Markt wahrscheinlich nicht durchsetzen können“, glaubt Kobayashi.

Um die erforderliche Größe zu erreichen, hat Japan Tobacco Inc. seine Lebensmittelsparte umstrukturiert. Die Geschäftsbereiche Tiefkühlkost und medizinische Produkte wurden komplett in das Tochterunternehmen Katokichi ausgegliedert. Auch JT Foods kam unter das gemeinsame Dach. Für Kazuo Kobayashi liegt eine der größten Stärken des neuen Unternehmens nun im Bereich der Beschaffung. „Wir wickeln den Einkauf der Nahrungsmittelgrundstoffe ab, stellen daraus die verschiedensten Produkte her und sind auf dem Markt für unsere Produkte hervorragend positioniert. Zudem zeichnet sich JT Foods durch die Entwicklung neuer Lebensmittelprodukte aus, und nachdem JT Foods und Katokichi nun gemeinsam unter dem Markennamen Katokichi agieren, konnten wir feststellen, dass die beiden Produktlinien sich hervorragend ergänzen. Es bestehen keine Konflikte zwischen den beiden Angebotspaletten. Aufgrund dieser Synergien“, so Kobayashi, „gehen wir davon aus, die Nummer eins unter den Herstellern von Tiefkühlkost in Japan zu werden.“

Auch wenn Japan wohl der wichtigste Markt für Katokichi bleiben wird, lotet das Unternehmen Möglichkeiten für eine Expansion aus. „Wir wollen in Zukunft auch Märkte in Übersee bedienen, wobei wir noch nicht wissen, in welchen Regionen eine solche Expansion am profitabelsten sein wird, sei es in Europa, in den Vereinigten Staaten oder in Asien“, führt Kobayashi aus. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Katokichi-Produkte in heimischen Tiefkühlregalen zu finden sein werden.

Autor: Anders Øvreberg

Datum: 12 January 2010

>>