DNV‑Studie für EMSA: Sicherheit wasserstoffbetriebener Schiffe muss im Design verankert werden
DNV hat im Auftrag der European Maritime Safety Agency (EMSA) die mehrjährige Studie „Safety of hydrogen for use in ships“ abgeschlossen. Ergebnis sind ein Abschlussbericht sowie ein unverbindliches Leitliniendokument. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Sicherheit wasserstoffbetriebener Schiffe bereits im technischen Design verankert werden muss. Sie empfiehlt sekundäre Einhausungen für alle wasserstoffführenden Komponenten – auch auf offenen Decks.
Wasserstoff entwickelt sich zu einer Kraftstoffoption für die Schifffahrt, eine breite Marktdurchdringung wird jedoch Zeit benötigen. Die Studie zeigt, dass sich die Gefährdungen von Wasserstoff deutlich von denen anderer alternativer maritimer Kraftstoffe wie LNG unterscheiden. Bereits kleine Leckagen können schnell zündfähige Gaswolken bilden. In Kombination mit der geringen Zündenergie von Wasserstoff und den Herausforderungen bei der Lecksuche ergibt sich ein erhöhter Bedarf an zusätzlichen technischen Sicherheitsbarrieren an Bord, insbesondere im Hinblick auf Leckagemanagement und Schutzsysteme.
Cristina Saenz de Santa Maria, Interim CEO Maritime bei DNV, sagt:
„Wasserstoff hat das Potenzial, als Schiffskraftstoff eingesetzt zu werden, bringt jedoch sicherheitsrelevante Risiken mit sich. Mit der Entwicklung neuer Kraftstofftechnologien müssen robuste Sicherheitsprinzipien von Beginn an integriert werden. Dafür sind neue Denkansätze, eine frühzeitige Einbindung in das Design sowie eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich – bei gleichzeitiger konsequenter Fokussierung auf die Sicherheit der Seeleute.“
Aufgrund seiner hohen Entflammbarkeit und der niedrigen Lagertemperaturen in verflüssigter Form führt Wasserstoff zudem zu neuen arbeitsbedingten Gefährdungen für Seeleute. Besatzungen müssen daher gezielt geschult werden, um die spezifischen Risiken beim Einsatz von Wasserstoff als Schiffskraftstoff zu erkennen und zu beherrschen. Unterstützt werden sollte dies durch klare Betriebsverfahren und Sicherheitsmanagementsysteme, ergänzt durch menschliches Verhalten und eine gelebte Sicherheitskultur als zusätzliche Ebene der Risikokontrolle.
Linda Hammer, Principal Consultant bei DNV und Hauptautorin der Studie, erklärt:
„Die Studie zeigt, dass die Sicherheit wasserstoffbetriebener Schiffe auf technischen Sicherheitsbarrieren basieren muss. Robuste Eindämmungssysteme, sekundäre Einhausungen und automatisierte Schutzsysteme bilden dabei die erste Ebene. Dies trägt sowohl der Geschwindigkeit Rechnung, mit der Wasserstoffvorfälle eskalieren können, als auch den begrenzten Möglichkeiten der Detektion und Reaktion nach einer Freisetzung – insbesondere in komplexen maritimen Umgebungen.“
Zur Zusammenarbeit mit der Industrie ergänzt Hammer:
„Wir schätzen die Möglichkeit, diese Studie für EMSA durchgeführt zu haben, ebenso wie die Unterstützung durch Industriepartner während des gesamten Prozesses, und begrüßen die weitere Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden und der Industrie in den nächsten Arbeitsschritten.“
Die vollständige EMSA-Studie zur Sicherheit von Wasserstoff als Schiffskraftstoff ist hier verfügbar.