Energy Transition Outlook 2026

Energieimportländer bauen saubere Energien dreimal schneller aus als Exportländer

Länder, die Energie importieren, bauen saubere Energien dreimal schneller aus als Exportländer. Regierungen wollen ihre Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas verringern und setzen deshalb verstärkt auf den Ausbau der heimischen Energieerzeugung. Dies geht aus der zehnten Ausgabe des DNV Energy Transition Outlook hervor.

Singapur, 7 Oktober 2026 – Die Unterbrechungen der Energieversorgung durch die Straße von Hormus bestärken Regierungen in ihrem Bestreben, ihre Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu reduzieren. Gleichzeitig erhöhen exportierende Länder außerhalb des Nahen Ostens ihre Produktion, um entstandene Lieferausfälle auszugleichen.  Dies führt jedoch zeitgleich zu einer zunehmenden Verlangsamung der eigenen Dekarbonisierungsvorhaben im internationalen Vergleich. 

DNV's Energy Transition Outlook 2026 report cover
DNV's zehnte Ausgabe des Energy Transition Outlook

Infolgedessen stieg der Anteil nichtfossiler Energien am Primärenergiemix in den Importregionen in den vergangenen fünf Jahren um 2,2 Prozentpunkte, verglichen mit lediglich 0,7 Prozentpunkten in den Exportregionen. Demnach haben China, Indien und Europa gemeinsam die Geschwindigkeit des Systemumbaus mehr als dreimal so schnell vorangetrieben wie der Nahe Osten, Nordamerika und Russland. 

Ein anhaltender Konflikt würde die Nachfrage nach fossilen Energieträgern dauerhaft senken

Durch die Sperrung der Straße von Hormus werden die Anreize für Energieimportländer verstärkt, ihre Energieversorgung zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren. Hierdurch steigen langfristig die Risiken für Exporteure fossiler Energieträger. Laut der DNV-Prognose wird der Nahe Osten im Jahr 2050 rund 40 % der weltweiten Ölproduktion stellen. Gegenüber dem im Vorjahres-Outlook prognostizierten Anteil von 50 % entspricht dies einem Rückgang von 10 Prozentpunkten.

Diese Entwicklung verdeutlicht eine DNV-Sensitivitätsanalyse, welche die Auswirkungen eines bis 2030 andauernden Konflikts im Nahen Osten bei moderat erhöhten Öl- und Gaspreisen untersucht. In diesem Szenario wäre die weltweite Öl- und Gasnachfrage um 4 bis 6 Prozentpunkte geringer. Auch nach Beendigung des Konflikts bliebe die Nachfrage 2 bis 5 Prozentpunkte unter der Hauptprognose von DNV. Dies deutet auf eine dauerhafte Nachfragereduktion hin, da Verbraucher und Regierungen in einem solchen Umfeld den Wechsel zu alternativen Energiequellen beschleunigen würden. 

Ditlev Engel, CEO - Energy Systems at DNV
Ditlev Engel, CEO - Energy Systems, DNV

„Die Energiesicherheit zeichnet die Landkarte der Energiewende neu“, sagte Ditlev Engel, CEO, Energy Systems bei DNV.

„Importregionen beschleunigen die Elektrifizierung, den Ausbau von erneuerbaren Energien und Speicherkapazitäten, um ihre Abhängigkeit von den unsichersten Märkten für fossile Brennstoffe zu verringern. Exportländer reagieren dagegen auf die aktuellen Engpässe mit höheren Investitionen und einer Ausweitung der Produktion. Das Ergebnis ist eine zunehmende Kluft bei Geschwindigkeit und Richtung der Energiewende. 

Auch wenn die geopolitische Lage immer komplexer wird, besteht kein Zweifel daran, dass die Energiewende stattfindet und bereits heute ein enormes Ausmaß erreicht hat.

Wir müssen sie jedoch weiterhin unterstützen und beschleunigen, denn immer mehr Menschen erkennen, dass Energie inzwischen Teil unserer kritischen Infrastruktur ist und entsprechend priorisiert werden muss.“

Wachsende Technologielücke

Photovoltaik und Onshore-Wind verdrängen fossile Energieträger zunehmend aus der Stromerzeugung, und die installierte Batteriespeicherkapazität hat sich in den vergangenen fünf Jahren verfünfzehnfacht.  

Während diese etablierten Technologien zu wettbewerblichen Preisen produzieren können, fällt es aufgrund begrenzter Mittelverfügbarkeit zunehmend schwer, Technologien wie CCS im erforderlichen Umfang zu fördern. Die Dekarbonisierung in einigen Industriesektoren fällt daher zurück. Im Vergleich zum Energy Transition Outlook des Vorjahres liegen die langfristigen Prognosen von DNV für Wasserstoff sowie Carbon Capture and Storage (CCS) um 29 % beziehungsweise 15 % niedriger. Obwohl für beide Technologien weiterhin ein starkes Wachstum erwartet wird, sind stärkere politische Anreize erforderlich, um die Kostenlücke zu schließen und den Einsatz zu beschleunigen

Die Zukunft ist elektrisch

Sverre Alvik, Director of Energy Transition Research at DNV
Sverre Alvik, Director of Energy Transition Research, DNV

“Getrieben von Solarenergie, Windkraft und zunehmend auch Batteriespeichern entwickelt sich Strom zum klaren Gewinner der Energiewende“, sagte Sverre Alvik, Director of Energy Transition Research bei DNV. „Die Elektrifizierung wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten mehr als doppelt so schnell vollziehen wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Auch wenn Importländer den Wandel anführen, setzen selbst Exporteure fossiler Energieträger verstärkt auf Elektrifizierung, da sie höhere Effizienz und geringere Kosten ermöglicht.“

Künstliche Intelligenz wird die Stromnachfrage weiter erhöhen. DNV prognostiziert, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit von rund 400 TWh im Jahr 2025 auf 1.100 TWh im Jahr 2030 nahezu verdreifachen wird, wobei KI-Anwendungen im Jahr 2031 die herkömmliche Nutzung von Rechenzentren übersteigen werden. Dennoch werden Rechenzentren einschließlich KI bis 2040 einen relativ gesehen geringeren Beitrag zum Wachstum der weltweiten Stromnachfrage leisten als das Laden von Elektrofahrzeugen oder die Gebäudekühlung. Das Wachstum im Rechenzentrumsbereich konzentriert sich zunächst auf Nordamerika, wo Rechenzentren bis 2030 etwa ein Drittel des Zuwachses der Stromerzeugung absorbieren werden. In China wird das Nachfragewachstum durch Rechenzentren dagegen als weniger kritisch eingeschätzt.

Der aktuelle Transformationspfad führt zu einer Erwärmung um 2,3 °C

Trotz der beschleunigten Elektrifizierung und des Ausbaus erneuerbarer Energien bleiben die Ziele des Pariser Klimaabkommens außer Reichweite. DNV prognostiziert, dass die energiebedingten Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 44 % sinken werden. Damit steuert die Welt auf eine Erwärmung von 2,3 °C zu. Netto-Null-Emissionen werden erst in den 2090er Jahren erwartet. Selbst dieser Zeitpfad ist unsicher, da er auf Technologien wie der direkten CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre (Direct Air Capture) beruht, die bislang noch nicht in großem Maßstab eingesetzt werden. 

 

 

Über DNV

DNV ist ein unabhängiger Anbieter von Assurance- und Risikomanagementdienstleistungen und in mehr als 100 Ländern tätig. Mit seiner breiten Erfahrung und tiefgehenden Expertise fördert DNV Sicherheit und nachhaltige Leistungsfähigkeit, setzt Industriestandards und entwickelt innovative Lösungen.

Ob bei der Bewertung eines neuen Schiffsdesigns, der Technologiequalifizierung für einen schwimmenden Windpark, der Analyse von Sensordaten aus einer Gaspipeline oder der Zertifizierung der Lieferkette eines Lebensmittelunternehmens: DNV unterstützt seine Kunden und deren Stakeholder dabei, technologische und regulatorische Komplexität sicher zu beherrschen.

Getrieben von seinem Unternehmenszweck, Leben, Eigentum und Umwelt zu schützen, hilft DNV seinen Kunden dabei, Chancen zu nutzen und Risiken im Zuge globaler Transformationsprozesse zu bewältigen. DNV gilt als vertrauenswürdige Stimme für viele der weltweit erfolgreichsten und zukunftsorientiertesten Unternehmen.  

Über den Energy Transition Outlook

Der Energy Transition Outlook (ETO) ist die unabhängige Leitprognose von DNV für das globale Energiesystem. Er beschreibt die erwartete Entwicklung der Energieerzeugung, Energienachfrage und Emissionen bis zum Jahr 2060 weltweit sowie in den zehn Weltregionen. Anders als szenariobasierte Ansätze liefert das ETO-Modell eine Prognose des wahrscheinlichsten Entwicklungspfads auf Basis realer Daten, bestehender Trägheiten und Rückkopplungseffekte. In die Analyse fließen Beiträge von mehr als 150 DNV-Experten und externen Fachleuten ein. Mit seiner zehnten Ausgabe hat sich der Bericht zu einer anerkannten Referenz für Unternehmensführungen, politische Entscheidungsträger, Investoren und Branchenvertreter entwickelt und erreicht jährlich mehr als 60.000 Leserinnen und Leser.