Technology Outlook 2030: Zehn Technologietrends und ihre Risiken für Industrie und Gesellschaft

Ein neuer Bericht von DNV GL, dem globalen Unternehmen für Risikomanagement und Qualitätssicherung, hat die zehn Technologietrends und die damit verbundenen Risiken ermittelt, die Industrie und Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt prägen werden. Die rasante Entwicklung der Digitalisierung stellt unsere persönlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend in Frage. Das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie ändert sich und wirft neue Fragen für die Zukunft auf. Welche Technologien sind dafür schon heute von Bedeutung? Welche Trends werden sich zukünftig durchsetzen? Wie können sich Gesellschaft und Wirtschaft optimal auf das Jahr 2030 vorbereiten. Der neue Technology Outlook 2030 von DNV GL hat die wichtigsten Technologien und ihre Auswirkungen auf Industrie und Gesellschaft untersucht.

Zehn Schlüsseltechnologien

Die Realität des Klimawandels ist allgegenwärtig – nicht nur in politischen Dialogen, sondern auch sichtbar in Form von häufigeren und extremeren Wetterereignissen, welche die Wirtschaft belasten, massenhaft Menschen zur Flucht zwingen und unsere Ökosysteme gefährden. Eine wachsende, alternde Bevölkerung und ein globales BIP, das im nächsten Jahrzehnt um mehr als ein Drittel zunehmen wird, während sich der Energieverbrauch und die Emissionen vom Wirtschaftswachstum abkoppeln, belasten unsere Umwelt zusätzlich. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist ein Aktionsplan der Vereinten Nationen, um diese Herausforderungen für den gesamten Planeten gezielt anzugehen. Es ist jedoch offensichtlich, dass schnellere und ehrgeizigere Aktionen erforderlich sind, um diese Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, erklärt hierzu:

"Der Zustand unserer Umwelt verschlechtert sich mit alarmierender Geschwindigkeit: Der Meeresspiegel steigt, die Ozeanversauerung beschleunigt sich, die letzten vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, eine Millionen Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht und die Bodendegradation hält ungebremst an."

Wir als DNV GL erwarten auch weiterhin geopolitische Unsicherheiten, die möglicherweise den Handel und damit die Verfügbarkeit und den Zugang zu Technologien einschränken. Unsere Analyse geht jedoch nicht von größeren globalen Störungen in Form von Kriegen oder Epidemien aus.


Digitalisierung

Die wichtigsten digitalen Meilensteine sind bekannt: IBMs erster PC im Jahr 1981; das Aufkommen des World Wide Web im Jahr 1990; die Einführung des iPhones im Jahr 2007. Die digitale Technologie ist mittlerweile in alle Bereiche des Lebens integriert und wird zunehmend von einigen wenigen Technologiegiganten dominiert.

Bereits heute können wir den Einfluss von sechs digitalen Technologietrends identifizieren, die unsere Welt bis 2030 maßgeblich beeinflussen werden:


• Menschen verbinden sich intensiver und schneller mit dem Internet

• allgegenwärtige Sensoren (IoT)

• Kommunikation - immer und überall

• künstliche Intelligenz

• plattformbasierte soziale und wirtschaftliche Modelle

• die Digitalisierung von Materialien durch additive Fertigung


Technologie und Vertrauen

Während sich die Geschwindigkeit des technologischen Wandels beschleunigt, bleibt die staatliche Regulierung digitaler Technologien zurück. Erst kürzlich unterstrichen mehrere Unfälle, im Zusammenhang mit der Integration digitaler Technologien in physische Systeme, die Grenzen der Regulierungen.

Unter steigendem Zeitdruck, die vorhandenen Technologiepotentiale schnell auszunutzen, verlieren wir aus den Augen, dass wir hochkomplexe Systeme schaffen und dass diese Systeme eingebettete Risiken beinhalten, die sich von der Summe ihrer Teile unterscheiden. Es besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr in der Lage sind, diese komplexen Systeme zu verwalten. Die Risiken können folglich zu neuen Vertrauensverlusten führen.

Wir gehen davon aus, dass die Welt den aktuellen Trends bis 2030 folgen wird, wobei politische und ökologische Unsicherheiten das globale Risikobild prägen werden. Technologien, die üblicherweise eingeführt werden, um Vorteile zu erzielen, schaffen auch neue Risiken.

Die Schlüsselfragen lauten daher: Welche Technologien bringen neue Risiken und Unsicherheiten mit sich und wie wirken sich diese Risiken langfristig auf unsere Wirtschaftskraft sowie auf das Wohlergehen der Menschen und des Planeten aus? Und welche neuen Technologien könnten uns helfen, unsere Risiken besser zu managen und die Ziele des Aktionsplans der Vereinten Nationen zu erreichen?


Welche Technologien sind von Bedeutung?

Im Technology Outlook 2030 von DNV GL werden Trends und damit verbundene Technologien vorgestellt, danach wird ihre erwartete Auswirkung auf Gesellschaft und Industrie beschrieben. Bei der Identifizierung dieser Trends und Technologien verfolgten wir einen zweistufigen Ansatz.

Der erste Abschnitt befasst sich mit den Branchen, in denen wir tätig sind, sowie mit den angrenzenden und als einflussreich geltenden Technologiebereichen und Trends. Der zweite Abschnitt stützt sich auf die Erkenntnisse aus den internen Unternehmensbereichen von DNV GL, um Technologien zu identifizieren, die sich vor 2025 auswirken werden und die sich bis 2030 abzeichnen. Wir haben unsere Ergebnisse in einer Reihe von Workshops validiert, zu denen unterschiedliche Stakeholder eingeladen wurden.

Wir haben ausgewählte Technologien in zehn Schlüsseltechnologietrends und die drei nachfolgenden Kategorien eingeteilt:

Aktivierung. Wir haben drei Technologietrends als „Aktivierung“ und Förderung anderer Technologien identifiziert: Beschleunigung der Digitalisierung, Virtualisierung und Automatisierung über den gesamten Lebenszyklus hinweg sowie Präzisionsmaterialien.

Transformation. Fünf Technologietrends können als Schlüsseltechnologien für weitere Industriebereiche angesehen werden: Transport und Logistik, kohlenstoffarme Energiesysteme, Gesundheitsdaten, präzise Lebensmittel und Weltraumtechnik.

Erhaltung. Die dritte Gruppe von Technologietrends umfasst Technologien, die zur Erhaltung unserer Biosphäre beitragen: den Ozeanraum und andere natürliche Ökosysteme.

Für jeden Trend haben wir diejenigen Technologien ausgewählt, die die größten zu erwartenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf unsere Zielbranchen im kommenden Jahrzehnt haben werden: Schifffahrt, Öl und Gas, Energie, Gesundheitswesen und Lebensmittel.


Gesellschaft

Wir haben gesellschaftliche Entwicklungen in den Mittelpunkt dieser Veröffentlichung gestellt: Die Gesellschaft ist der Dreh- und Angelpunkt für die Hebelwirkung von Technologie - Technologie wirkt sich auf die Gesellschaft aus, die ihrerseits Technologietrends vermittelt und prägt. Die Welt steht in den kommenden Jahren vor schwierigen Entscheidungen in Bezug auf die Energiewende, Privatsphäre, Sicherheit und Ethik - im digitalen Kontext und im Rahmen der Erfüllung der gesellschaftlichen Bedürfnisse unter Berücksichtigung der nachhaltigen Grenzen des Planeten. Die politischen Rahmenbedingungen sind von großer Bedeutung und waren wahrscheinlich nie wichtiger als jetzt.