ISO 45001 ist die führende internationale Norm für das Management von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Sie bietet ein strukturiertes, risikobasiertes und führungsorientiertes Rahmenwerk mit Fokus auf fortlaufende Verbesserung und den Schutz der Beschäftigten.
ISO 45001 durchläuft derzeit ihren ersten Überarbeitungsprozess seit ihrer Einführung im Jahr 2018. Der Überarbeitungsprozess begann Mitte 2024.
Die DIS-Phase (Draft International Standard) wurde Mitte Juni 2026 erreicht, als das Dokument veröffentlicht und den nationalen Mitgliedsorganisationen für eine 12-wöchige Abstimmungs- und Kommentierungsphase zur Verfügung gestellt wurde. Ein genaues Datum für die Veröffentlichung der Norm wurde noch nicht bekannt gegeben, diese wird jedoch voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erfolgen.
Entwurf der überarbeiteten ISO 45001 – Welche Änderungen sind zu erwarten?
Der Überarbeitungsprozess basiert auf den Empfehlungen einer Arbeitsgruppe, die mögliche Anpassungen identifiziert hat. Ziel ist es, ISO 45001 als Zertifizierungsstandard so weiterzuentwickeln, dass sie aktuelle bewährte Praktiken widerspiegelt und neue SGA-Themen sowie Herausforderungen für Organisationen berücksichtigt und so zukunftsorientiert ausgerichtet ist.
Der Gesamtumfang der Änderungen ist als moderat einzustufen. Im Vergleich zu den Neuausgaben von ISO 14001 und ISO 9001 (aktuell noch im FDIS-Stadium) fallen die Anpassungen jedoch umfangreicher aus.
Zu den wichtigsten Änderungen zählen:
- Der Text wurde konsequent an den aktuellen Wortlaut der Harmonisierten Struktur (HS) angepasst. Dadurch wurden mehrere HS-Abschnitte neu gegliedert, teilweise ohne inhaltliche Änderung der allgemeinen Anforderungen.
- Das Thema „Förderung des Wohlbefindens bei der Arbeit“ wird im gesamten Dokument stärker betont – über die reine Schadensverhütung Ergänzungen in mehreren Abschnitten, darunter 1, 3.16, 3.20 (neue Definition), 5.1, 5.2 f), 5.4, 6.1.2.3 und 8.1.1, zeigen den Übergang zu einem proaktiveren Ansatz zur Unterstützung des Wohlbefindens der Beschäftigten.
- Ausdrücklicher Fokus darauf, der „Diversität der Beschäftigten“ Rechnung zu tragen (enthalten in mehreren Abschnitten wie 4.2, 7.4, 8.1.2, 8.2)
- Einbeziehung der Änderungen zum Klimawandel aus dem Jahr 2024 (in den Abschnitten 4.1 und 4.2). Darüber hinaus:
- Für Abschnitt 4.1 wurden drei neue Anmerkungen hinzugefügt, darunter eine Auflistung von Beispielen für relevante interne und externe Themen, die für das SGA-Management von Bedeutung sein können.
- In Abschnitt 4.2 wurde eine Anforderung hinzugefügt, um sicherzustellen, dass die Diversität der Beschäftigten bei der Bestimmung der Erfordernisse und Erwartungen berücksichtigt wird.
- Erweiterte Liste der Faktoren, die bei der Ermittlung von Gefährdungen zu berücksichtigen sind (Abschnitt 6.1.2.1) (z. B. neue und sich verändernde Technologien, auf digitalen Plattformen basierende Arbeitstätigkeiten, Remote-Mitarbeiter, psychosoziale Gefährdungen und Auswirkungen des Klimawandels)
- In Abschnitt 6.1.2.2 „Beurteilung von SGA-Risiken“ wird ausdrücklich gefordert, neben der Dokumentation der Methoden und Kriterien für die Bewertung auch die Ergebnisse der Bewertung zu dokumentieren.
- In Abschnitt 6.1.2.3 „Beurteilung von SGA-Chancen“: Die Liste der Bereiche, die bei der Bewertung von Möglichkeiten zur Verbesserung zu berücksichtigen sind, wurde erweitert.
- Der neue Abschnitt 6.3 „Planung von Änderungen“ wurde ergänzt, um die Harmonisierte Struktur umzusetzen.
- In Abschnitt 7.3 „Bewusstsein“ wurde die Liste der Faktoren für das Bewusstsein der Beschäftigten erweitert.
- Abschnitt 8.1 „Betriebliche Planung und Steuerung“ weist einige wesentliche Änderungen auf:
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- Die Anforderungen in den Abschnitten1.1 „Allgemeines“ und 8.1.2 „Gefährdungen beseitigen und SGA-Risiken verringern“ wurden erweitert:
- Der neue Abschnitt1.3 „Gesundheit am Arbeitsplatz“ legt Anforderungen für Prozesse zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten fest.
- Der neue Abschnitt1.4 „Rückkehr an den Arbeitsplatz nach Verletzung oder Erkrankung“ fordert Prozesse für eine geregelte Begleitung von Personen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz.
- Der neue Abschnitt 8.1.6 „Extern bereitgestellte Prozesse, Produkte und Dienstleistungen“ ersetzt Abschnitt 8.1.4 „Beschaffung“ aus der Ausgabe 2018. Gegenüber der Ausgabe 2018 wurden einige Anforderungen ergänzt und andere Inhalte entfernt.
- Die Anforderungen in den Abschnitten1.1 „Allgemeines“ und 8.1.2 „Gefährdungen beseitigen und SGA-Risiken verringern“ wurden erweitert:
- Der neue Abschnitt 10.1 „Fortlaufende Verbesserung“ ist eine Zusammenführung der Abschnitte 10.1 „Allgemeines“ und 10.3 „Fortlaufende Verbesserung“ aus der Ausgabe von 2018. Der Textumfang ist im Vergleich zur Ausgabe von 2018 reduziert, die Absicht bleibt jedoch unverändert
Darüber hinaus sollte Folgendes beachtet werden:
- Anhang A wurde erheblich erweitert, um eine klare und einheitliche Auslegung der in diesem Dokument enthaltenen Anforderungen zu fördern.
- In Bezug auf Abschnitt 3 „Begriffsbestimmungen“:
- Es wurden 3 neue Definitionen hinzugefügt: 3.20 „Wohlbefinden bei der Arbeit“, 3.21 „Behinderung“ und 3.8 „externer Anbieter“ (der den Begriff „Outsourcing“ aus der Ausgabe 2018 ersetzt)
- 23 „Risiko für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ wurde gegenüber der Ausgabe von 2018 erheblich überarbeitet
- 20 „Risiko“ aus der Ausgabe von 2018 wurde gestrichen
Bitte beachten Sie, dass diese Übersicht nicht alle Änderungen vollständig abbildet. Zudem sind weitere Anpassungen wahrscheinlich, sobald das Dokument die FDIS-Phase (Final Draft) erreicht.
Übergangsregeln und Zeitplan
Die Global ACI (Accreditation Cooperation Incorporated) wird voraussichtlich die Anforderungen für den Übergang zu ISO 45001:2027 festlegen. Diese sind noch nicht verfügbar.
Es ist möglicherweise davon auszugehen, dass der Zeitraum für die Umstellung auf die neuen Anforderungen drei Jahre betragen wird, entsprechend den Beschlüssen für ISO 14001 und ISO 9001.
Vorbereitung auf die Umsetzung
Wir empfehlen Ihnen, so früh wie möglich mit den Vorbereitungen für den Übergang zu beginnen und die erforderlichen Änderungen ordnungsgemäß in Ihr Managementsystem zu integrieren.
Empfohlene Schritte für den Übergang:
- Machen Sie sich mit den Inhalten und Anforderungen des neuen Standards vertraut. Konzentrieren Sie sich auf die Änderungen, die der überarbeitete Standard mit sich bringt.
- Stellen Sie sicher, dass die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrer Organisation geschult sind und die Anforderungen und wichtigsten Änderungen verstehen.
- Ermitteln Sie die Lücken, die geschlossen werden müssen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen, und erstellen Sie einen Umsetzungsplan.
- Setzen Sie Maßnahmen um und aktualisieren Sie Ihr Managementsystem, um die neuen Anforderungen zu erfüllen.
Wie wir Sie unterstützen können
Sobald Sie mit den Vorbereitungen für den Übergang zur neuen Version von ISO 45001 beginnen, kann DNV Sie auf diesem Weg unterstützen.
Folgende Unterstützung können wir Ihnen bieten:
- Trainings, in denen Sie sich über die Revision informieren und einen grundlegenden Überblick über die wichtigsten Änderungen und den Umstellungsprozess erhalten.
- Online-Self-Assessments-Tools und Gap-Analysen, um zu messen, wie gut Ihr Managementsystem die neuen Anforderungen erfüllt.
- Übergangsaudit, um Ihre Zertifizierung an die neue Version der Norm anzupassen.
ISO 45001 Zertifizierung: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
Schützen Sie Ihre Mitarbeiter durch einen strukturierten Ansatz im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.
Trainings zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
Ein sicheres und gutes Arbeitsumfeld trägt dazu bei, Unfälle und Zwischenfälle zu vermeiden, und motiviert Ihre Mitarbeiter zudem, ihr Bestes zu geben.