From concern to control: DNV stellt ein Rahmenkonzept zur Resilienzstärkung kritischer Energieinfrastrukturen angesichts zunehmender Bedrohungslage vor

DNV hat heute die Energiebranche dazu aufgerufen, die Resilienz von Infrastrukturen angesichts der immer komplexeren, mannigfaltigen Bedrohungen als strategische und gesellschaftliche Notwendigkeit zu betrachten. Im Rahmen der ONS-Konferenz stellte DNV dazu sein neues Positionspapier „From concern to control“ vor.

Das Positionspapier des unabhängigen Energie- und Risikoexperten führt ein neues Resilienz-Rahmenwerk ein und beschreibt den erforderlichen Perspektivwechsel: Resilienz darf nicht länger als reine Compliance-Aufgabe verstanden werden, sondern muss zu einer strategischen Priorität werden. Basierend auf DNVs umfassender Expertise im Risikomanagement der Energiewirtschaft bietet das Framework einen systemweiten und risikobasierten Ansatz, um Schwachstellen zu identifizieren, Maßnahmen zu priorisieren sowie Vorsorge- und Wiederherstellungsfähigkeiten zu stärken. Bei der Vorstellung betonte DNV, dass keine Organisation diese Herausforderungen allein bewältigen kann, da Risiken entlang von Infrastrukturen, Lieferketten, Volkswirtschaften und Gesellschaften weitergegeben werden können.

Aktuelle Daten aus den „DNV Industry Insights“, für die mehr als 1.000 Führungskräfte der Energiebranche befragt wurden, zeigen deutlich den Handlungsbedarf: Über die Hälfte der Befragten gab an, dass ihre Organisation nicht über eine klar definierte und regelmäßig aktualisierte Resilienzstrategie verfügt. Gleichzeitig macht das Positionspapier deutlich, dass die Bedrohungslage heute grundlegend anders ist als noch vor zehn Jahren. Geopolitische Spannungen, der Klimawandel, die fortschreitende Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sowie Abhängigkeiten in Lieferketten schaffen neue, miteinander verknüpfte Risiken.

Kritische Energieinfrastrukturen sind heute nur selten einer einzelnen Bedrohung ausgesetzt. Schwachstellen in einem Bereich können physische oder technische Ausfälle entlang der gesamten Wertschöpfungskette auslösen. Die Auswirkungen reichen von der Energieversorgung bis zu den Energiekosten. Ohne einen koordinierten, systemweiten Ansatz wird sich die Anfälligkeit gegenüber solchen Risiken weiter verstärken.

Das Framework basiert auf einem kontinuierlichen Vier-Schritte-Zyklus: Analyse von Risiken, Priorisierung von Investitionen, Umsetzung von Maßnahmen sowie Überprüfung und Validierung der Ergebnisse. Der Zyklus wird auf fünf zentrale Dimensionen angewendet: Organisation, Menschen, physische Anlagen, IT und Cybersicherheit sowie Lieferketten. Ziel ist es, Resilienz systematisch in Investitionsentscheidungen zu verankern, Risiken einheitlich zu bewerten, sich auf Störungen vorzubereiten, Systeme in Echtzeit zu schützen und nach Vorfällen sicher und effizient wiederherzustellen. 

Ditlev Engel, DNV
Ditlev Engel, CEO, Energy Systems at DNV

Ditlev Engel, CEO Energy Systems bei DNV

erklärt: „Als Branche müssen wir Resilienz als festen Bestandteil des täglichen Betriebs verstehen. Sie ist eine strategische und gesellschaftliche Notwendigkeit, denn sie sichert unsere Fähigkeit, Energie zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig bereitzustellen. Wenn Sicherheitsaspekte nicht in die grundlegende Investitionsplanung integriert werden, steigt das Risiko von Angriffen auf Stromnetze und andere kritische Infrastrukturen mit potenziellen Auswirkungen auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität.

„Unser Ziel ist es, aus Schwachstellen Bereiche zu machen, in denen Unternehmen mit Vertrauen agieren können. Ob im öffentlichen oder privaten Sektor: Resilienz muss entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette verankert werden. Andernfalls riskieren wir Vorfälle oder Angriffe mit schwerwiegenden Folgen.“

Der Bericht beschreibt verschiedene Angriffe auf kritische Infrastrukturen, darunter opportunistische Cyberangriffe, Beschädigungen von Untersee-Gaspipelines, Angriffe auf LNG-Terminals sowie Raketenangriffe auf Tanker. Auch politische Entwicklungen und extreme Wetterereignisse haben die Zuverlässigkeit von Energiesystemen in den vergangenen Jahren beeinflusst. 

 
Derek Riezebos, Defence & Security Manager for Northern Europe, Energy Systems bei DNV,

ergänzt: „Risiken und Bedrohungen sind in der Energiewirtschaft allgegenwärtig, und nur wenige Organisationen verfügen über vollständige Transparenz hinsichtlich ihrer Verwundbarkeiten. Wer jedoch kritische Abhängigkeiten versteht, einzelne Ausfallpunkte reduziert und belastbare Reaktions-, Wiederanlauf- und Wiederherstellungspläne vorhält, kann den Schritt von Besorgnis zu Kontrolle schaffen.

Langanhaltende Stromausfälle haben gezeigt, wie stark sich Störungen auf Verkehr, Kommunikation, Gesundheitsversorgung und weitere kritische Dienste auswirken können. Unternehmen und Regierungen tragen weltweit die Verantwortung, Energiesysteme widerstandsfähig zu gestalten und auf schwerwiegende Ereignisse vorbereitet zu sein. Da sich Bedrohungen schneller weiterentwickeln, als viele Organisationen reagieren können, wird es zunehmend wichtiger, Schutzmaßnahmen auf einem angemessenen Niveau zu halten.“

Das Framework unterstreicht DNVs Rolle als unabhängiger globaler Anbieter von Assurance- und Risikomanagementleistungen. Es verbindet internationale Expertise mit lokaler Marktkenntnis, um Regierungen, Verteidigungsorganisationen, Energieversorger und Infrastrukturbetreiber dabei zu unterstützen, Resilienz fest in ihren täglichen Betrieb zu integrieren.

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