DNV-geführte Studie zeigt: Industrialisierung und Standardisierung könnten die Kosten für Offshore-Windenergie in der Nordsee um bis zu 28 % senken

DNV hat quantifiziert, wie die Standardisierung von Turbinendesigns und Sicherung verlässlicher Projektpipelines die durchschnittlichen Stromgestehungskosten (LCoE) von Offshore-Windenergie in der Nordsee bis 2050 in einem Hochvolumen-Szenario um bis zu 28 % senken könnten.

DNV leitete das Joint Industry Project (JIP) gemeinsam mit acht Unternehmen entlang der europäischen Offshore-Wind-Lieferkette. Hintergrund sind steigende Projektkosten, uneinheitliche Auktionsergebnisse sowie wechselhafte und schwer planbare Projektentwicklungen. Die Studie modelliert die Stromgestehungskosten in drei Nordsee-Szenarien für den Zeitraum von 2025 bis 2050. Neben größeren Turbinen untersucht sie längere Produktionszyklen bestehender Turbinenplattformen als zusätzlichen Hebel zur Kostensenkung.

Die Szenarien zeigen, wie Marktwachstum und Produktionsdauer die Kosten beeinflussen:

  • Business-as-usual-Szenario: Moderates Wachstum und kurze Produktionszyklen der aktuellen Turbinenplattform senken die Stromgestehungskosten bis 2035 um rund 5 %.
  • Längere Produktionszyklen: Bei gleichem Marktwachstum steigt die Reduktion auf etwa 14 % bis 2035 und 25 % bis 2050.
  • Hochvolumen-Szenario: Ein dauerhaft hoher Ausbau erhöht das Einsparpotenzial auf rund 19 % bis 2035 und bis zu 28 % bis 2050.

Das Modell verwendet Turbinen mit einer Leistung von rund 15 MW auf Monopile-Fundamenten als Referenzplattform, ohne die 15 MW als optimale Größe darzustellen oder zukünftige Turbinenentwicklungen einzuschränken. 

Ditlev Engel, CEO, Energy Systems at DNV
Ditlev Engel, CEO, Energy Systems at DNV

„Lieferanten investieren auf Basis konkreter Projekte und verbindlicher Kapazitätszusagen. Europas Offshore-Wind-Ziele verdeutlichen die Größenordnung der langfristigen Nachfrage. Die Branche benötigt jedoch auch sichtbare und investierbare Projektpipelines“, sagte Ditlev Engel, CEO Energy Systems bei DNV. „Eine stabilere Nachfrage und längere Produktionszyklen ermöglichen eine bessere Nutzung bestehender Kapazitäten und zeigen auf, wo Investitionen erforderlich sind. Verlässliche Umsetzung ist dabei der wichtigste Erfolgsfaktor, um Kosten nachhaltig zu senken.“

Der Bericht fordert politische Entscheidungsträger dazu auf, Ausbauziele in transparente Projektpipelines und konsistente Auktionspläne zu überführen. Entwickler und Turbinenhersteller sollten Designparameter und Schnittstellen frühzeitig abstimmen, während Zulieferer gezielt in identifizierte Engpässe investieren sollten, bevor weitere Kapazitäten aufgebaut werden.

Der Großteil der modellierten Kostensenkungen resultiert aus geringeren Investitionskosten, insbesondere bei Turbinen und der Projektentwicklung. Zusätzliche Einsparungen ergeben sich bei Installation und Fundamentstrukturen. Stabile Plattformen können darüber hinaus die Zuverlässigkeit erhöhen und höhere Energieerträge ermöglichen, während kürzere Projektlaufzeiten die Stromerzeugung früher ins Netz bringen.

DNV kommt zu dem Ergebnis, dass die bestehenden europäischen Kapazitäten den kurzfristigen Bedarf an Turbinen im Bereich von 15 MW weitgehend decken können. Im Hochvolumen-Szenario werden jedoch Häfen zu einem Engpass, und die Installationskapazitäten nähern sich ihren Grenzen. Dies erfordert gezielte Erweiterungen und Modernisierungen. Das unmittelbare Risiko besteht jedoch in einer Unterauslastung: Ein unregelmäßiger Projektfluss schwächt die Investitionsbereitschaft und beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit der Branche bei steigender Nachfrage. 

Peter Constantin Brun, Global Segment Leader, Offshore Wind, DNV
Peter Constantin Brun, Global Segment Leader, Offshore Wind, DNV

„Über Industrialisierung und Standardisierung wird seit Jahren gesprochen, doch ihre wirtschaftlichen Auswirkungen wurden bislang nicht in dieser Detailtiefe quantifiziert. Unsere Partner haben DNV vertraut, offene Diskussionen über kommerziell sensible Informationen zu moderieren. Nun konnten wir ein erhebliches Kostensenkungspotenzial von bis zu 28 % unter günstigen Ausbaubedingungen nachweisen. Damit schaffen wir eine belastbare Grundlage für Industrie und Politik, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Offshore-Windenergie in den kommenden Jahren weiter zu stärken“, erklärte Peter Constantin Brun, Global Segment Lead Offshore Wind bei DNV.

Stabile Designs und standardisierte Prozesse können zudem Abfälle, Nacharbeiten sowie Transport- und Energieaufwand reduzieren. Eine schnellere Inbetriebnahme neuer Projekte könnte zusätzliche Umweltvorteile schaffen, indem fossile Stromerzeugung früher ersetzt wird.

Um das in der Studie identifizierte Einsparpotenzial vollständig auszuschöpfen, sollten politische Entscheidungsträger langfristige Planungssicherheit schaffen. Dazu gehören verlässliche Auktionskalender, transparente Projektpipelines und regulatorische Rahmenbedingungen, die eine stärkere Industrialisierung und Standardisierung entlang der Offshore-Wind-Wertschöpfungskette ermöglichen.

Die Szenarien basieren auf dem DNV Energy Transition Outlook 2025, dem North Sea Forecast, Projektpipeline-Daten sowie den Ausbauzielen der Erklärungen von Ostende und Hamburg. 

JIP Partner:

  • DNV 
  • EEW Special Pipe Constructions GmbH 
  • Fred Olsen Windcarrier ASA 
  • Groningen Seaports N.V. 
  • Iemants N.V. 
  • Jan De Nul N.V. 
  • Van Oord Marine & Dredging Contractors  
  • Vattenfall Vindkraft A/S 
  • Vestas Wind Systems A/S

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